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Exposee und dann kam Sunny! AT von Adriana Stern    Adriana Stern

Exposè zum Jugendkrimi „ und dann kam Sunny!“ von Adriana Stern


Hauptprotagonistin dieses Jugendkrimis zum Thema Drogen ist die 14 jährige Kinneret Spanjardt, aus deren Perspektive die Geschichte in der „Ich – Form“ erzählt wird.
Kinneret ist Jüdin und lebt mit ihren Eltern und zwei Brüdern seit ihrer Kindheit in Deutschland.
Die Geschichte beginnt nach den Herbstferien. Kinneret ist gerade aus ihren Ferien in Israel zurückgekehrt, als eine neue Mitschülerin, Susan Nicole Maier, genannt Sunny Mai, ihr bis dahin sehr überschaubares Leben über den Haufen wirft.
Was verbirgt sich hinter Sunnys plötzlichem Erscheinen in ihrer Klasse?
Wer ist dieses seltsame Mädchen, das von Schulpflicht nicht allzu viel zu halten scheint, die Ansichten von Kinnerets liebster Lehrerin so radikal in Frage stellt und sich hinter dem Schulhof mit einem mehr als zwielichtigen Typen trifft?
Seit Kinneret Sunny in einem Gespräch vor der Schule belauscht, werden sie und ihr kleiner Bruder Benjamin von diesem geheimnisvollen Mann bedroht. Als Kinneret das zweite Mal von ihm überfallen wird, beschließt sie, Sunny zu konfrontieren, denn bei ihr laufen alle Fäden zusammen.
Als Sunny entscheidet, Kinneret ins Vertrauen zu ziehen, beginnt für Beide ein lebensgefährliches Abenteuer, in dem sie darum kämpfen, einen Mord aufzuklären und einer bis in höchste gesellschaftliche Kreise organisierten Drogenbande das Handwerk zu legen.

 

Leseprobe und dann kam Sunny! AT von Adriana Stern

Gerade als ich den Kopf vom Fenster weg zur Tafel wende, platzt sie mitten in unsere Deutschstunde und Herr Strohkamp sieht sie genauso erstaunt an wie ich. Schon in diesem Augenblick hätte ich wissen können: Das wird Ärger geben. Das wird verdammt viel Ärger geben.

„Äh, ja bitte“, unterbricht er seinen Vortrag über die Kriterien einer Tragödie irritiert.
„Sunny Mai, ich bin die neue Mitschülerin.“ Das Mädchen zieht die Stirn kraus.
„Ach tatsächlich“, bemerkt Herr Strohkamp trocken.
So etwas Seltsames wie Sunny Mai ist unserem Unterricht noch nicht passiert. Überraschungen gibt es in jedem Schuljahr, ja. Aber nicht solche.
Hätte ich gewusst, dass Sunnys erster Auftritt nur der Anfang einer langen Geschichte ist, hätte ich lieber gleich versucht, mich nicht so sehr zu wundern.
„Eine Sunny Mai kann ich hier mit allergrößter Mühe nicht entdecken“, murmelt der Strohkopf und ich muss wieder Willen grinsen. Dann sieht er plötzlich mit zusammengezogenen Augenbrauen von seinem Klassenbuch auf. „Du bist nicht zufällig Susan Nicole Maier? Die sollte sich nämlich vorstellen. Aber das war bereits heute Morgen um halb acht.“ Herr Strohkamp sieht demonstrativ auf seine Armbanduhr.
„Hat eben nicht ganz hingehauen“, erwidert die Neue gelassen und holt eine Nagelfeile aus ihrer Jackentasche. Meinen Mitschülern fallen die Kinnladen runter. Ich find’s einfach nur fantastisch. Lili und ich werfen uns vielsagende Blicke zu.
Der Strohkopf ist einen Farbton blasser geworden. So was ist ihm noch nicht untergekommen. Ich sehe es hinter seiner Stirn mächtig arbeiten.
„Also, wie ist nun dein Name?“ Jetzt erhebt er sich sogar von seinem Pult und das will was heißen. Er sieht das Mädchen streng an. Seine letzte Waffe.
„Sunny Mai, immer noch“, wiederholt Sunny ruhig, während sie sich den Nagel des Mittelfingers der linken Hand feilt.
„So geht das hier aber nicht. Du gehst jetzt bitte erst einmal ins Sekretariat und erkundigst dich, wohin du gehörst, bevor du einfach irgendwo den Unterricht störst. Kinneret, gehst du bitte mit ihr?“
Erschrocken fahre ich zusammen. Ich verdaue noch meine innere Korrektur – der Schulleiter nämlich ist in Wahrheit die letzte Waffe, das vergesse ich nur ständig, denn der ist eigentlich total in Ordnung. Da wird es eher für den Strohkopf peinlich, nicht für uns. Und jedesmal spricht der Strohkopf meinen Namen falsch aus. Ich erschrecke mich auch, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet habe, dass er mich jemals um etwas bitten würde. Der Strohkopf kann mich nämlich nicht ausstehen. Das allerdings beruht auf Gegenseitigkeit und stört mich nicht die Bohne. Ich versuche betont lässig aufzustehen - eine Nagelfeile hab ich leider nicht zu bieten.
„Nicht nötig“, sagt Sunny da, ohne von ihrem Zeigefinger aufzublicken, der jetzt in ihrer Feilreihenfolge dran ist. „Von dort komme ich gerade und ich soll laut Aussage des Schulleiters höchsteigenpersönlich in die Klasse 9/3 gehen. Und das ist doch hier, oder?“ Sie grinst. „Und sie sind Herr Stroh“ sie stutzt „keine Ahnung - irgendwas mit trockenem Gras jedenfalls.“
Paul aus der letzten Reihe lacht.
„Eine Susan Nicole Maier erwarte ich seit der ersten Schulstunde, allerdings.“ Herr Strohkamp überhört die letzte Bemerkung und auch Pauls Lachen großzügig.
„Na, dann ist ja alles klar“, bemerkt Sunny zufrieden und sieht unseren Lehrer an. „Und - wo soll ich jetzt sitzen?“
Hilflos fährt sich mein Lehrer erst durchs Haar und läßt dann seinen Blick durchs Klassenzimmer schweifen. An mir bleibt er schließlich hängen. „Ja“, sagt er im Brustton der Überzeugung. „Bitte, setz dich doch neben Kinneret.“
Sunny und ich mustern uns stumm. Sunny steckt ihre Feile behutsam wieder in ihren Beutel zurück, ein kurzes Lächeln huscht über ihr Gesicht. „Hätte schlimmer kommen können“, sagt sie.
„Kinneret“, stelle ich mich vor. „Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe, nicht auf der ersten. Darauf lege ich Wert.“
„Dachte ich mir schon, klingt auch viel besser. Das ist doch der See in Israel, den...“ Weiter kommt Sunny nicht.
„Privatgespräche könnt ihr in der Pause führen. Stefan, zähle bitte die charakteristischen Merkmale einer Tragödie auf und worin sie sich von der Komödie unterscheidet.“
Ich glaube, Sunny ist die erste Klassenkameradin, die weiß, woher mein Name kommt. Ob sie auch Jüdin ist?
Die Merkmale einer Tragödie interessieren mich kein Stück. Ich höre überhaupt nicht zu. Sunny scheint es nicht anders zu gehen. Sie malt Comics in ihr Heft. Aber was für welche!

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