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Kinderbuch-Übersicht

Exposee Der verkehrte Maximilian AT von Werner Stangl    Werner Stangl

Maximilian, einem 12 Jahre alter Jungen, fällt durch die Unachtsamkeit einer Nachbarin ein Blumentopf auf den Kopf. Äußerlich unverletzt, zeigt sich bald, dass er eine Sprachstörung davongetragen hat: er spricht die Wörter aller Sätze in der verkehrten Reihenfolge. Der herbeigerufene Hausarzt schickt ihn zu einem Facharzt, der aber auch nach einer eingehenden Untersuchung kein Rezept dagegen weiß.
Verständnisvolle Lehrer in der Schule und auch seine besten Freunde akzeptieren die Sprachstörung, und auch Maximilian lernt allmählich, mit seiner „Behinderung“ umzugehen. Er besteht mehrere Abenteuer ein einem Kaufhaus und bei einem Ausflug, wobei seine seltsame Art zu sprechen zu allerlei Komplikationen führt. In einer Turnstunde entdeckt er, dass er im Kopfstand alle Sätze normal sprechen kann, doch ist das ebenfalls keine nachhaltige Lösung für sein Problem.
Nach einem längeren Zeitraum, in dem Maximilian heimlich übt, die verkehrten Sätze in seinem Kopf umzudrehen und diese für ihn verkehrt, aber für andere richtig zu sprechen, steht sein 13. Geburtstag vor der Tür. An diesem will er seine Freunde damit überraschen, dass er wieder ganz normal sprechen kann. Aber auch seine Freunde haben sich etwas ausgedacht: sie wollen ihm nochmals einen Blumentopf an den Kopf werfen. Und es geschieht, was geschehen muss …

 

Leseprobe Der verkehrte Maximilian AT von Werner Stangl

Maximilian, Frau Nickus und ein fliegender Blumentopf

Es war ein Tag wie jeder andere. Maximilian hatte es nach der Schule nicht eilig nach Hause zu kommen. Wie immer ging er mit seinen Freunden Boris, Esina und Gerald in den Park Fußball spielen. Wie immer begleitete ihn Boris nach Hause. Boris wohnte in der nächsten Straße. Wie immer blieben sie vor dem Haus, in dem Maximilian wohnte, stehen und verabredeten sich für den Nachmittag.
Frau Nickus wohnte im zweiten Stock. Maximilian lebte mit seinen Eltern in der Wohnung darüber. Maximilian traf Frau Nickus täglich in der Früh auf der Stiege, wenn er zur Schule ging.
Wenn er vor ihr dran war, rief er fröhlich: "Guten Morgen, Frau Nickus!" und sprang die Stiege hinunter.
Wenn er erst nach ihr aus der Wohnung kam, dann seufzte er: "Guten Morgen!"
Frau Nickus war beleibt und schnaufte beim Stiegensteigen. Sie füllte die Treppe ganz aus und Maximilian war ungeduldig, wenn er hinter ihr hertrotten musste. Erst im Hausflur konnte er sie überholen.
"Auf Wiedersehen, Frau Nickus!" rief er und draußen war er beim Tor.
Maximilian hatte es immer eilig.
Frau Nickus hatte das schönste Blumenfenster in der ganzen Straße. Sie war sehr stolz darauf. Maximilian durfte ihre Blumen gießen, wenn sie auf Urlaub war. Zur Belohnung brachte sie ihm jedes Mal ein kleines Geschenk mit. Maximilian mochte Frau Nickus.
Frau Nickus hatte Maximilian und Boris schon von weitem gesehen. Sie zupfte welke Blättchen von den Geranienstöcken auf ihrem Fensterbrett. Maximilian und Boris standen genau unter ihrem Fenster.
"Grüß dich, Maximilian", rief sie hinunter.
"Grüß Gott, Frau Nickus", dankte Maximilian.
Frau Nickus beugte sich ein wenig vor, um die beiden besser zu sehen.
"Schönes Wetter heute!" versuchte sie, ein Gespräch zu beginnen.
"Ja, Frau Nickus. Sehr schönes Wetter", antwortete Maximilian höflich.
"Tschüß! Also bis um vier", sagte Boris und wandte sich zum Gehen.
Frau Nickus beugte sich noch mehr aus dem Fenster. Sie hatte am vordersten Blumenstock eine welke Blüte entdeckt.
"Tschüß! Bis um vier", wiederholte Maximilian.
Frau Nickus musste sich ganz weit aus dem Fenster beugen. Da geschah es. Sie stieß mit der Hand an den Blumentopf. Der Blumentopf kippte ein wenig.
"Mein Gott!" rief Frau Nickus und versuchte, den Topf festzuhalten.
Dabei stieß sie ihn erst recht vom Fensterbrett.
"Mein Gott!" rief sie nochmals.
Maximilian sah nach oben. Er sah eine Hand und den Blumentopf…
Es war zu spät. Der Blumentopf traf Maximilian genau an der Stirn.
Boris hatte den Ruf von Frau Nickus gehört und sich umgedreht. Maximilian lag auf dem Gehsteig. Daneben der zerbrochene Blumentopf.
Boris lief zu Maximilian und beugte sich über seinen Freund.
"Max!" rief er.
Maximilians Gesicht war mit Erde und Blumen bedeckt.
"Mein Gott, Maximilian!" rief Frau Nickus.
Boris blickte zu ihr hinauf.
"Max, sag doch was!" rief Boris und entfernte die Blumen von Maximilians Gesicht. Max rührte sich nicht.
"Hilfe!" rief Boris.
Maximilians Mutter hatte durch das offene Fenster die Rufe gehört und war ans Fenster gelaufen.
"Was ist los, Boris?" rief sie hinunter
"Hilfe! Hilfe! Max ist tot!" rief Boris.
Maximilians Mutter kam aus dem Haus gelaufen. Hinter ihr die atemlose Frau Nickus.
"So ein Unglück!" schnaufte Frau Nickus.
Maximilians Mutter beugte sich über ihren Sohn.
"Was ist passiert?" fragte sie.
"So ein Unglück! So ein Unglück!" wiederholte Frau Nickus nur und dabei rannen die Tränen über die Wangen.
"Max, so sag doch was!" rief Maximilians Mutter und hob vorsichtig seinen Kopf hoch.
Maximilian bewegte sich.
"Gottseidank! Er lebt!" rief Boris.
"Wir müssen die Rettung holen!" sagte Frau Nickus besorgt.
Maximilian öffnete die Augen.
"Bleib ganz ruhig liegen", mahnte ihn die Mutter und streichelte über seinen Kopf.
"Es tut mir ja so leid, Max", jammerte Frau Nickus. Und wieder rannen die Tränen über ihre runden Backen.
Maximilian schaute zu Frau Nickus und wollte sprechen.
"Wir werden gleich den Arzt anrufen, dass er sich deine Verletzung anschaut", sagte Maximilians Mutter.
"Ja, ich rufe den Arzt an", rief Frau Nickus und lief so schnell sie konnte ins Haus.
"Den Doktor Schneider!" rief ihr Maximilians Mutter noch nach.
Herr Walter, der Hausmeister, kam gelaufen. Er hatte im Garten gearbeitet und rieb sich die Hände an seiner blauen Schürze sauber.
"Frau Nickus hat mir gesagt, dass ein Unglück passiert ist!" sagte er.
"Frau Nickus hat Max einen Blumentopf auf den Kopf geworfen!" erzählte Boris.
Herr Walter kniete neben Maximilian und dessen Mutter nieder. Maximilian lag mit offenen Augen und mit offenem Mund da.
"Wir können ihn hier nicht liegen lassen", stellte der Hausmeister fest.
Er nahm Maximilian auf seine Arme und trug ihn ins Haus.
Frau Nickus kam gerade aus dem Tor und meldete: "Der Doktor kommt gleich!"
Maximilians Mutter eilte voran, dahinter der Hausmeister mit Maximilian, Frau Nickus keuchte hinterher. Boris hob Maximilians Schultasche auf und schloss sich an.
Im dritten Stock angekommen, legte Herr Winter Maximilian behutsam auf ein Sofa im Wohnzimmer.
Maximilian sagte noch immer nichts. Seine Mutter, Frau Nickus, der Hausmeister und Boris standen um das Sofa herum.

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