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Exposee
Abipedia AT
von Eric Theißen
Seine Eltern haben ihn mit einem Namen gestraft, bei dem ihn die eine Hälfte seiner Schule für einen Franzosen hält und die andere für schwul. Er hat einen kläglichen Job als Ordner im Stadion von Borussia Mönchengladbach und steht auf den FC Köln. Er lebt in einem Kaff, in dem es sieben Apotheken gibt, aber keine Disco.
Marc-Antoine Rodekamp will eigentlich nur das letzte Schuljahr überleben, mit seiner Mannschaft möglichst nicht letzter in der schlechtesten Liga des Kreises werden und die heiße Aileen als Begleitung für den Abiball gewinnen. Und ganz nebenbei das Abitur schaffen.
Gar nicht so einfach allerdings, wenn man Freunde hat, die lieber zu den Auswärtsspielen von Dortmunds Handballerinnen fahren als in seiner Thekenmannschaft zu spielen, sich aus Langeweile im Wald mit Eiern aus Käfighaltung bewerfen, beim Theaterbesuch mitten im Don Carlos einen Eklat produzieren und in der Disco nackt Bunjijumping ausprobieren. Und dass Frauen in ihm stets den netten Kumpel sehen, während sie mit seinem besten Freund schlafen, muss er auch noch irgendwie ändern...
Leseprobe
Abipedia AT
von Eric Theißen
Es ist Herbst geworden. Die Zeit der Discoabende, der Stadiontouren und Schnitzeltage wird allmählich von der ersten Klausurphase verdrängt. Zeit zum Lernen also.
Fabs und ich sitzen in unserem Deutsch-Leistungskurs und lauschen Herr Hesses Worten. Ich bekomme noch mit einem Ohr mit, wie Toby die Frage stellt, ob es denn noch ein anderes Wort für Synonym gebe. Meine Aufmerksamkeit ist jedoch eher von dem beansprucht, was Fabs in sein Heft krakelt.
Wie ein Geier nach den Klippen,
sehn' ich mich nach deinen Lippen
Natürlich. Fabs ist in letzter Zeit unter die Dichter gegangen. Grund dafür ist das zerrüttete Verhältnis zu seiner Freundin Kathrin. Bei unserem letzten Besuch in Violas Schnitzelparadies (oder besser gesagt auf dem Klo des Paradieses) hat er mich geradezu verzweifelt gefragt, was er denn tun könne, damit sie ihm wieder mehr vertraut. Meine unbedacht direkte Antwort „Weniger andere vögeln“, war nicht unbedingt das, was er hören wollte. Klar war es das nicht.
Stattdessen versucht er es nun mit Romantik. Sprich lyrischen Gedichten, in denen er versucht, seine Liebe zu der Frau zu bekennen, die auch zu jenen gehört, denen ich eigentlich die Reinigung meiner total vollgeheulten Hemden in Rechnung stellen müsste. Was ich glatt tun würde, wäre ich nicht so ein verständnisvoller, gut zuhörender, freundlicher und leider deshalb chronisch untervögelter Gentleman.
Jedenfalls hält Fabs das zu Papier gebrachte für die richtige Lösung seiner akuten Beziehungsprobleme. Früher wäre es ihm wahrscheinlich egal gewesen, er hätte einfach die nächste Discobekanntschaft mit zu sich nach Hause genommen. Wenn möglich die, mit der ich gerade ein anregendes Gespräch führe. Die, die mich total nett findet, bis Fabs ihr ins Ohr flüstert, dass er sie schon den ganzen Abend beobachte und er davon überzeugt sei, sie wolle Sex mit ihm haben, bei ihm zuhause, denn er habe die Wohnung ganz für sich allein.
So lief es früher zumindest immer. Eine Frau war für Fabs immer nur so lange sexy, bis er sie erobert hatte. Danach war sie ihm mehr oder weniger egal und er gab sich schon den Fantasien von der nächsten hin. Aber bei Kathrin scheinen die Dinge anders zu liegen. Offenbar ist sie die einzige, mit der er es länger aushalten würde. Und darum will er sie auch nicht von der Angel lassen. Meine Bedenken hinsichtlich der geistigen Hirnwichse auf Papier wurden natürlich abgeschmettert. Ich lese weiter.
Es lebt der Pinguin in Sibirien,
es lebt in Kamerun das Gnu,
es lebt der Trinker in Delirien,
in meinem Herzen aber,
da lebst nur du
Wirklich besser geworden ist es nicht. Eher so romantisch wie ein Glas Salzsäure auf nüchternem Magen. „Fabs?“, sage ich zögernd.
„Was?“, murmelt er in Gedanken.
„In Sibirien gibt es keine Pinguine!“
„Ist das alles, was dir dazu einfällt?“, entgegnet er gereizt.
„Naja, die leben halt in der Antarktis...“, kontere ich schwach.
„Aber das weiß Kathrin doch nicht!“, triumphiert er gewohnt selbstsicher.
„Wie sicher ist denn diese Info?“, will ich wissen.
„Welche?“
„Dass Kathrin keinen Plan von Pinguinen hat.“
„Keine Ahnung, lass mich jetzt weiterdichten, du alter Schattenparker!“
„Dann mach halt, du ewiger Wie-war-ich-Frager!“
„Karusselbremser!“
„Happyendheuler!“
„Mittelscharfsenfesser!“
„Sockenfalter!“
„Klamotten-am-Vortag-Rausleger!“
„Foliengriller!“
„Schrumpelhoden!“
Herr Hesse wendet sich gerade interessiert von seinem Vortrag ab und uns zu, da ertönt ein rettender Gong. Allerdings ist es nur der für die Durchsagen. Die Stimme von Stufensprecher Adrian ist zu vernehmen.
„Eine Durchsage an die 13! Kommt bitte jetzt in der Pause alle ins PZ, wir stimmen über das diesjährige Abiturmotto ab. Und wehe einer von euch Schnarchsäcken lässt sich nicht blicken und meckert danach über das Motto! Bis gleich. Danke.“
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