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Exposee
Beschädigt AT
von Melanie Hinz
Exposé
für den Roman
BESCHÄDIGT
Jana Sonntag ist eine junge Witwe von 32 Jahren. Sie hat ihren Ehemann in Notwehr getötet. Über viele Jahre grausam misshandelt und gequält, ist sie nun endlich frei.
Zusammen mit ihrem 6 Jahre alten Sohn Ben zieht sie aus der protzigen Villa am Rheinufer in eine nette Vierzimmerwohnung in der Nachbarschaft ihrer Schwester Melina.
Der Start in ein neues Leben ist für sie weit schwieriger als erwartet. Immerzu hat sie Flashbacks aus der Zeit mit ihrem verstorbenen Mann. Die Nächte sind von blutigen Alpträumen beherrscht. Panikattacken begleiten ihren Alltag.
Noch am Tag des Umzugs macht sie Bekanntschaft mit Jakob, dem besten Freund ihrer Schwester. Jakob ist ein junger, attraktiver Kinderarzt. Er kennt Jana noch als junges Mädchen, doch sie kann sich zuerst nicht an ihn erinnern. Jakob war als Teenager in Jana verliebt. Sie hat ihn nie wahrgenommen. Nun wohnt sie mit Jakob Tür an Tür.
Mit Geduld und Beharrlichkeit schleicht sich Jakob in Janas Leben und schließlich auch in ihr Herz. Jana wehrt sich zuerst gegen ihre Gefühle, doch Jakobs Wärme und seine unkomplizierte Art ziehen sie immer wieder zu ihm. Er kämpft mit ihr gegen ihre Panikattacken. Seine Nähe hält die Alpträume fern.
Jana lernt durch Jakob wie eine respektvolle, erwachsene Beziehung sein muss. Durch ihn akzeptiert sie allmählich, dass sie das Opfer und nicht der Täter war. Er vermittelt ihr wieder ein gesundes Körpergefühl und zeigt ihr, wie lustvoll und sinnlich Sex sein kann. Durch ihn fühlt sie sich zum ersten Mal begehrenswert. (grafische Sexszenen!)
Trotz einiger Rückschläge fasst sie genug Vertrauen in Jakob, um mit ihm ein neues Leben aufzubauen.
Leseprobe
Beschädigt AT
von Melanie Hinz
BESCHÄDIGT
Prolog
Ich habe geglaubt, wir könnten glücklich werden. Ich habe es wirklich geglaubt. Er war perfekt für mich. Liebevoll, zuvorkommend und immer sehr auf mein Wohlbefinden bedacht. Er war 5 Jahre älter als ich und der beste Mann, den ich mir für mich je vorstellen konnte. Ich habe nie verstanden, wie er sich in so eine unscheinbare Frau wie mich verlieben konnte. Wir hatten ein traumhaftes erstes Jahr. Er war meine erste große Liebe und ich konnte mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ich war 24, als er mir den Heiratsantrag machte. Wir waren erst seit zwei Monaten ein Paar. An meinem 25. Geburtstag haben wir geheiratet und kurze Zeit später war ich schwanger.
Ben kam sechs Wochen zu früh per Notkaiserschnitt zur Welt. Wir waren so glücklich, aber hatten solche Angst dass dieses schwache Würmchen die zu frühe Geburt übersteht. Nico stand mir die ganze Zeit bei. Er hat jede freie Minute mit mir am Inkubator auf der Intensivstation verbracht.
Voller Stolz hat er nach langen Wochen die Babyschale mit unserem Sohn zum Auto getragen und uns nach Hause gebracht.
Mein Name ist Jana, ich bin 32 Jahre alt und ich habe meinen Mann getötet.
In my place, in my place
were lines that I couldn't change
I was lost, oh yeah
I was lost, I was lost
Crossed lines I shouldn't have crossed
I was lost, oh yeah
(Coldplay – In my place)
1. Die Vergangenheit begraben
Ich hasse dieses Haus. Ich hasse es mit der Intensität von tausend Sonnen. Meine persönliche Hölle hat 6 Zimmer, 2000 qm Grundstück und liegt direkt am Düsseldorfer Rheinufer. Für den Immobilienmakler ist es ein Traum. Er hat mir praktisch die Füße geküsst, um es für mich verkaufen zu dürfen. Heute sind wir auf dem Weg raus aus diesem Höllenloch. Ben hasst mich dafür, dass ich es hier nicht mehr aushalte. Er liebt sein riesiges Zimmer mit eingebautem Baumhaus, welches ein Werk seines Vaters war. Es hat ihn zwei Wochen Arbeit und jede Menge Nerven gekostet. Aber für seinen Sohn tat er alles. Ihm konnte er keinen Wunsch abschlagen.
Ben liebt es, am Rheinufer zu streunen und Schätze zu sammeln. Doch selbst mein Versprechen, dass wir jederzeit wieder zum Rhein fahren können, stimmt ihn nicht versöhnlich.
„Ben, hast du endlich deine Legosteine aufgesammelt, damit wir den letzten Karton raus bringen können?“, rufe ich über den Flur.
Um Zeit in seinem geliebten Zimmer zu schinden, hat er jeden Stein einzeln in den Karton befördert.
„Ja, Mama!“, höre ich ein leises Motzen aus dem Kinderzimmer. Ich verstaue die letzten Überbleibsel aus dem Badezimmer in eine Tasche und gehe durch das leere Haus zum meinem Sohn. Er sitzt zusammengesunken vor dem Umzugskarton auf dem Boden und starrt auf einen übrig gebliebenen Stein in seiner Hand. Ich setze mich neben ihn und warte, ob er mir etwas sagen will.
„Papa hat immer mit mir Lego gespielt, wenn er von der Arbeit kam…“
Mir schnürt es wieder die Luft ab, doch ich reiße mich zusammen.
„Baby, ich weiß, dass du ihn vermisst. Aber dieses Haus ist zu groß für uns beide. Die neue Wohnung ist so toll. Du hast das beste Zimmer bekommen, direkt unterm Dach. Du kannst immer deine Freunde mitbringen, wenn du willst. Sie wohnen doch jetzt alle viel näher an unserer neuen Wohnung.“
Ben schaut von seinen Händen auf. Dann fängt er unvermittelt an zu schluchzen. Tief in meinem Bauch bildet sich wieder dieses unterdrückte Gefühl von unbändiger Wut. Ich ziehe den zitternden Kinderkörper auf meinen Schoß und wiege meinen Sohn in meinen Armen.
„Mein Herz, ich vergesse oft wie klein du noch bist und was du in den letzten Monaten alles mitmachen musstest. Aber wir schaffen das zusammen. Wir müssen das schaffen.“
Ben sieht mich aus verweinten Augen an und sagt die Worte, auf die ich ihm niemals eine adäquate Antwort geben kann.
„Mama, warum mussten diese dummen Einbrecher Papa töten? Warum? Ich verstehe das nicht. Papa hat doch so eine tolle Alarmanlage eingebaut. Er hat immer gesagt, ich brauche niemals Angst haben. Das Haus ist sicher wie eine Ritterburg, hat er gesagt.“
Es gibt keinen Weg, wie ich ihm jemals die Wahrheit sagen kann. Wie soll ich meinem Jungen klar machen, dass sein Vater nicht durch die Hand eines Einbrechers gestorben ist? Dass er tot ist, weil seine Mutter ihm ein Messer in die Kehle gestochen hat. Er ist noch so klein und er verehrt seinen Vater. Wie soll er verstehen, was in diesem Haus passiert ist, wenn er geschlafen hat oder nicht zuhause war?
„Ben, es war ein Unfall. Er hat vergessen die Alarmanlage einzuschalten. Ich habe es dir schon so oft erklärt. Es hilft nichts, sich immer wieder den Kopf darüber zu zerbrechen. Er ist nicht mehr da. Wir müssen damit leben.“
Die Worte sind mal wieder härter als beabsichtigt aus meinem Mund gesprudelt. Ich muss das in den Griff kriegen und lernen mit seiner Trauer umzugehen. Er kann doch nichts dafür. Auch wenn ich keine Trauer fühle.
„Es tut mir Leid, Baby. Alles wird gut, ich verspreche es. Jetzt komm. Tante Melli wartet im Umzugswagen. Möchtest Du mit ihr fahren oder lieber mit mir im Auto?“
Ben grinst unter Tränen. Er ist so viel stärker als ich.
„Mama, ich liebe Dich, aber Tante Melli hat den großen Lkw. Wir sehen uns ja an der neuen Wohnung“, erklärt mir mein kleiner großer Sohn und versucht wieder tapfer zu sein. Ich habe meinem Sohn das Herz gebrochen. Mit der Schuld muss ich jetzt wohl leben.
Auf dem Weg zum Lkw möchte ich Ben noch eine Überraschung mitteilen, die ich absichtlich bis zum letzten Moment zurückgehalten habe. Er kann das gut brauchen, um den Start in der neuen Wohnung leichter zu verdauen.
„Bennybaby, ich muss dir noch was sagen.“
Wir stehen im Vorgarten und Melli lehnt am Lkw und wartet auf uns.
„Ich will es nur hören, wenn du aufhörst mich Bennybaby zu nennen“, schnaubt er genervt.
Ich grinse innerlich, weil ich genau diese Antwort erwartet habe. Er hasst diesen Spitznamen und hat große Angst, dass ich ihn vor seinen Freunden so nenne. Natürlich würde ich ihn nie in diese Verlegenheit bringen.
„Ok, Bennybaby“, sage ich und zwinkere Ben zu. “Also, pass auf. Du wirst ja in zwei Monaten eingeschult und hast jetzt noch zwei Wochen Kindergarten vor dir. Ich habe mir überlegt dass du, nur wenn du möchtest, die letzten zwei Wochen einfach zuhause bei mir bleibst. Ich weiß, dass du den Kindergarten hasst und außerdem müssen wir doch zusammen die neue Wohnung einrichten.“
Ein Grinsen breitet sich auf Bens Gesicht aus. Weil ich gerade den Karton trage, umarmt er mein Bein.
„Danke, Mama. Ich wollte dich schon fragen, ob ich da noch länger hin muss. Aber ich hab mich nicht getraut.“
Ich setze den Karton ab und hocke mich neben meinen Sohn.
„Baby, du kannst mir immer sagen, wenn dich etwas bedrückt und dann werden wir eine Lösung finden. Egal was es ist. Hörst Du mich?“
Ben nickt und fällt mir um den Hals. Ich schiebe ihn ein Stück von mir weg und sage, „Ben, das war noch nicht alles. Du weißt ja, dass ich in vier Wochen anfange zu arbeiten und dass Tante Melli dann auf dich aufpassen wollte. Leider hat Melli keinen Urlaub bekommen und kann nicht die ganze Zeit auf dich aufpassen. Ich kann für dich bis zur Einschulung einen Hort suchen, aber wäre es nicht schöner wenn Oma uns besuchen kommt und solange auf dich aufpasst?“
Ben strahlt und ein bisschen kann ich wieder meinen Sonnenschein erkennen, der er vor ein paar Monaten noch war. Ich sehe, wie tausend Fragen durch seinen Kopf schwirren, aber er scheint gerade nur eine einzi
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